Deutschland 4.0 – Wohin führt der Weg…?

30. März 2017

von Elmar Widder

Deutschland im September 2017

Die grenzenlose Selbstherrlichkeit unserer Politiker wird sich genau dann wieder zeigen, wenn nach der Bundestagswahl die Ergebnisse bekannt gegeben werden. Das Volk musste sich bei der Wahl zwischen der Seuche Pest und der Infektionskrankheit Cholera entscheiden und Frau Merkel und/oder Herr Schulz werden selbstzufrieden die „überwältigende“ Mehrheit der Stimmen dankend als Bestätigung ihrer herausragenden Leistungen annehmen. [Letztendlich kam es zwar etwas anders, aber so wie es aussieht, wird es wieder eine große Koalition werden, was so viel bedeutet wie: Pest und Cholera. Anmerkung der Redaktion]

Und wir?

Tja, wir erleben ab September 2017 weitere vier Jahre vom Lobbyismus geprägte Politik, eine schwerfällige und bürgerferne EU, einen wachsenden Niedriglohnsektor, marode Kindergärten und Schulen, Lehrermangel und schlecht bezahltes Pflegepersonal. Darüber hinaus wurde die heikle Atommülllagerung ja bereits vor der Wahl schön auf die lange Bank verschoben. 2050 soll die Lagerung beginnen – in 33 Jahren also erst, 1 Million Jahre lang. Das hat der Bundestag im März 2017 beschlossen (Quelle: Juris). Und dann wären da ja noch die NATO-Manöver, die an der russischen Grenze durchgeführt werden (Quelle: ARD). Schließlich und endlich werden wir zunehmende Flüchtlingsströme auf Grund globaler Ausbeutung und Krieg irgendwann als „normal“ empfinden, weil sich unsere Außenpolitik und Wirtschaft nicht ändern wird. Wir müssen anfangen zu verstehen, dass die Kinder, die in Bangladesch unsere Kleidung nähen, nicht zur Schule gehen und irgendwann keine Lust mehr auf Nähen haben (Quelle: stern.de). Die Folge: sie fliehen.

Liebe Bürgerinnen und Bürger, Ihr müsst euch aber nicht zwischen Pest und Cholera entscheiden! Ihr habt eine Wahl!  Nutzt diese Möglichkeit…!

…man muss sich nur von dem Gedanken befreien, dass unsere persönliche Stimme nur dann etwas bewegen kann, wenn man eine „große“ Partei wählt. Das ist Quatsch! Veränderungen finden zunächst auf kleiner Ebene statt…

„Uns geht´s doch gut Elmar, was hast du denn nur?“ Nun, uns geht es (noch) gut, aber rund um uns herum „stinkt“ es schon…

Was mich an der derzeitigen Politik stört, ist das systematische Wegignorieren der zukünftigen Herausforderungen – sprich, mir fehlt der Weitblick. Sich von Legislaturperiode zu Legislaturperiode wie von Ast zu Ast zu hangeln mag ja schön für die persönliche Altersvorsorge der Politiker sein, aber was wird aus uns „Durchschnittsbürgern“ in den nächsten 25 Jahren? Die 13-jährigen Kinder sind dann 38 und die heute 60-jährigen sind 85. Sie selbst werden im Jahr 2042 achtundachtzig Jahre alt, Frau Merkel; und selbstverständlich werden Sie – egal wie es um Ihre Gesundheit bestellt ist – bestens versorgt sein.

Aber was wird aus uns?

Was ist mit den Renten derer, die heute Mitte 40 sind und schon 20 Jahre (oder länger) in die Rentenkasse einbezahlt haben? Manche von Ihnen sind Leiharbeiter und Geringverdiener. Wie viel Geld werden diese Menschen monatlich zur Verfügung haben bei den ständig ansteigenden Mietpreisen? Ach ja, es wurde ja eine Mietpreisbremse eingeführt. Sehr effektiv… (Quelle: Manager-Magazin). Und was ist mit denen, die nach 38 oder 40 Beitragsjahren bald in Rente gehen und in Altersarmut abrutschen?

Gesellschaftliche Entwicklung – die Zukunft

Der technische Fortschritt hat Gesellschaften in den letzten Jahrhunderten deutlich verändert und auch im Jahr 2017 ist die Technologisierung noch längst nicht am Ende. Allerdings basiert unser derzeitiges Denken zu sehr auf Effizienz, Gewinnmaximierung und wirtschaftlichem Erfolg. Die Frage, in welchem Zustand sich unsere Erde in 20 oder 30 Jahren befindet wird im täglichen Leben kaum gestellt. Ich beziehe mich insbesondere auf Richard David Prechts Gedanken, die er neulich bei Markus Lanz im ZDF äußerte (Quelle: ZDF Mediathek). Precht hinterfragte zurecht, wo unsere Gesellschaft endet, wenn wir die so genannte „ökonomische Vernunft“ – also reines Effizienzdenken und Gewinnstreben – als Leitmotiv unserer Gesellschaft beibehalten. Bitte vergessen Sie eines nicht: Produktion basiert auf Ressourcen und die Rohstoffe auf unserem Planet Erde sind begrenzt!

Des Weiteren werden in den nächsten Jahren gewisse Arbeitsplätze einfach verschwinden, weil sie von Robotern und Maschinen übernommen werden. Die Wissenschaftler Frey und Osborne, beide an der University of Oxford, haben bereits 2013 veröffentlicht, dass 47% der heutigen US-Arbeitsplätze zukünftig vom technischen Fortschritt so betroffen sein werden, dass sie einfach verschwinden. Auch wenn die Zahlen variieren – dieses Problem wird früher oder später auch auf unsere Volkswirtschaft zukommen (Quelle: Frey and Osborne, The Future of Employment, University of Oxford).

Der Schlussteil dieses wissenschaftlichen Artikels liest sich wie folgt:

Wir stellen fest, dass der technische Fortschritt in großen Schritten vorauseilt. Weniger gut ausgebildete Arbeitnehmer werden sich deshalb zukünftig Beschäftigungen suchen (müssen), die nicht von der Automatisierung betroffen sind. Das sind insbesondere Tätigkeiten, für die man Kreativität und soziale Intelligenz benötigt. Wenn die Arbeitnehmer dieses Rennen jedoch gewinnen wollen, müssen sie sich diese Kreativität und die sozialen Fähigkeiten auch aneignen. (Eigene Übersetzung)

Englischer Originaltext:

„Our findings thus imply that as technology races ahead, low-skill workers will reallocate to tasks that are non-susceptible to computerisation – i.e., tasks requiring creative and social intelligence. For workers to win the race, however, they will have to acquire creative and social skills.“

Beispiele:

„Autonomes Fahren“ kann zum Beispiel den Beruf des Taxifahrers erodieren. Selbstfahrende Autos hätten dann wiederum zur Folge, dass wir uns die Autos nicht mehr kaufen, sondern einfach einen „Auto-Service“ mit dem Smartphone bestellen, der uns von A nach B bringt. So brauchen wir weniger Parkplätze und die Fahrzeuge werden effizienter genutzt, weil sie ständig in Bewegung sind. Stellen Sie sich aber nun vor, wie viele Arbeitsplätze dadurch wegfallen würden. Precht schätzt die Anzahl der Beschäftigten in der Autoindustrie auf ca. 800.000 Menschen; wenn man Zulieferfirmen mit einrechnet, käme man sogar auf 2.000.000 Arbeitsplätze. Natürlich werden auch neue Arbeitsplätze kreiert, keine Frage. Aber unter dem Strich wird sich die Anzahl der Arbeitsplätze verringern. Angeblich hat die Firma IBM sogar ein System entwickelt, das juristische Fälle lösen kann. Also werden wir auch weniger Anwälte brauchen (Quelle: IBM).

Was tun?

Wie soll nun eine Gesellschaft aussehen, in der vielleicht die Hälfte der Menschen keinen Arbeitsplatz mehr hat? Natürlich könnte  man Roboter besteuern, aber genau weil sich Unternehmen durch Roboter Steuern sparen, sind Roboter so lukrativ. Eine Robotersteuer wird sicherlich ein Diskussionsthema werden, ob sie jedoch die alleinige Antwort für die Problematik ist, lasse ich an dieser Stelle offen…

Weitere Alternativen

Man könnte aber auch den Zugewinn der Gesellschaft insgesamt anders verteilen. Und es geht mir hier nicht um Kommunismus oder Ähnliches. Aber finden Sie es gerecht, dass 62 Menschen auf der Erde genauso viel besitzen wie die gesamte ärmere Hälfte der Weltbevölkerung?! Das hat eine Oxfam-Studie aus dem Jahr 2016 ergeben (Quelle: Oxfam). So viel Ungleichgewicht muss doch irgendwann aus den Fugen geraten… man muss doch in diesem Land noch über soziale Ungerechtigkeit reden dürfen. Reden schon, aber machen nicht… so kommt´s einem vor. Wie Precht feststellte: Die Digitalisierung fungiert als Verstärker – sie verstärkt Armut und Reichtum gleichermaßen.

Fazit

Konzentrieren wir uns also auf die essentiellen Punkte, die uns in der Zukunft betreffen

treiben wir die Lösungsansätze für die Atommülllagerung voran und verschieben wir nicht ständig von Heute auf Morgen!

fördern wir doch endlich mehr Forschungsprogramme für erneuerbare Energien, aber nicht nur die Theorie, sondern auch die Praxis. Damit meine ich auch die Einspeisung in das Elektrizitätsverteilernetz.

stellen wir uns doch endlich dem Rentenproblem, auch wenn es weh tut! Wer 35, 38 oder 40 Jahre hier in Deutschland „gebuckelt“ hat, braucht eine gewisse Versorgung – egal ob Deutscher, Deutsch-Türke oder sonst woher…Wie soll sich die jüngere Generation eine Betriebsrente oder privat etwas aufbauen, wenn uns nur noch „Jahresverträge“ angeboten werden?

Zwischenfrage: Was ist jetzt eigentlich mit Griechenland – ich fürchte, wir brauchen einen Schuldenschnitt. Sagen Sie es doch endlich, es weiß doch sowieso schon jeder, dass diese Schulden niemals zurückbezahlt werden können… Sie wollen es aber VOR der Wahl nicht zugeben, stimmt´s? (Quelle: zeit.de)

Wie viele Waffen werden wir noch in den Nahen und Mittleren Osten liefern? Wir verkaufen unsere Werte für Geld – ganz große Extraklasse! Na ja, Hauptsache die Kasse klingelt und wir erhalten Arbeitsplätze in der Waffenproduktion.

Ja, das Thema Flüchtlinge ist eines der heikelsten – aber was tun? Die, die hier sind sollten schnell integriert werden und unsere Sprache lernen. Das kostet Geld. Geben Sie endlich zu, dass das Bundesamt für Migration völlig mit dieser Aufgabe überfordert ist. Und kann Deutschland es akzeptieren, wenn andere EU-Länder eine andere Meinung in Bezug auf die Verteilung von Flüchtlingen haben? Kein Wunder, dass sich andere EU-Länder von uns bevormundet fühlen.

Ein klares „Nein“ zur Anhebung des NATO-Budgets: Man kann Verträge auch neu verhandeln und ändern; und in diesem Fall muss die NATO eben mal zurückstecken, damit wir wieder bessere Schulen und Kindergärten bekommen.

Frage: Dürfen wir, also wir das Volk,  irgendwann auch einmal die Bundeskanzlerin oder den Bundeskanzler direkt wählen? Denn wäre dies der Fall, hätten sowohl Sie Frau Merkel als auch Sie Herr Schulz wohl eher schlechte Karten dieses Jahr.

Wird es jemals einen Volksentscheid auf Bundesebene geben? Mit diesen Regierungsparteien wohl eher nicht.

„Manche Menschen sind gleich und andere sind eben gleicher.“   (In Anlehnung an George Orwells „Animal Farm“).

Ich wünsche allen Bürgern eine angenehme Reise. Das Ziel bestimmen SIE und WIR alle selbst!

2 Antworten
  1. Johann sagt:

    Norbert Blüm hat mal gesagt die Renten sind sicher und wir haben es damals geglaubt. Die Jungen müssten für die Alten sorgen und so weiter. Der ganze Atommüll. Ich weiß nicht, was ich da noch sagen soll. Zum Glück bin ich schon so alt.

    Antworten

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